Montag, 21 of Mai of 2012

Das erste Jahresdrittel

Nach langer langer Zeit hier nun endlich mal wieder ein Lebenszeichen von mir!
Nachdem das neue Jahr eher mittelmäßig begonnen hatte, stand Ende Januar der Umzug von ‘‘Kinder Raising Voices‘‘ von Kawempe nach Watubba, was etwas ausserhalb von Kampala liegt, ins neue Haus an. Da das Praktikantenzimmer noch nicht fertig war, bin ich vorerst Mitte Februar – nach einem verglichen mit dem Vorbereitungsseminar mindestens genauso sinnvollen und hilfreichen Zwischenseminar – zurück nach Kawempe zu der Gastfamilie gezogen, bei der ich schon die ersten paar Tage hier in Uganda verbracht habe, da der Fahrtweg von hier aus einfach viel kürzer und unkomplizierter ist.


Da die Kinder fast alle bis 17 Uhr in der Schule sind und es daher für mich im Projekt nicht wirklich etwas zu tun gibt, unterrichte ich nun an der ‘‘Glory for Education Primary and Secondary School‘‘ in Watubba, die die Kinder von KRV alle besuchen. Trotz der Tatsache, dass ich eigentlich nicht zum Unterrichten nach Uganda gekommen bin, macht die Arbeit dort in den Klassen P3, P4 und P6 Spaß, was vermutlich hauptsächlich daran liegt, dass zum einen die Klassen viel kleiner sind als in der Schule in der ich vorher zwischenzeitlich ausgeholfen habe – es ist definitiv ein sehr großer Unterschied, ob man vor einer Klasse mit bis zu 70 Kindern steht oder doch nur vor 20 bis 30… Zudem ist diese Schule was Unterrichtsmaterialien anbelangt gut ausgestattet und es existieren sogar Lehrpläne, an denen ich mich orientieren kann und die das Vorbereiten der Stunden erheblich erleichtern!


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Zwischenzeitlich gab es dann noch eine kleine Abwechslung: Besuch von Mama!! Am 19.03. war es soweit und die kommenden zwei Wochen sollten möglichst abwechslungsreich gefüllt werden – eigentlich eine viel zu kurze Zeit um alles Sehenswerte und Interessante zu berücksichtigen…

Am Dienstag nach ihrer Ankunft ging es dann also ganz langsam los mit einem Besuch der ‘‘Glory for Education Primary and Secondary School‘‘ in Watubba um den Schulalltag einmal mitzuerleben.
Das folgende Programm sah dann schon etwas anders aus. Mittwochmorgen (/-nacht) 6Uhr wurden wir von zu Hause abgeholt um eine dreitägige Safari zum Queen Elizabeth-Nationalpark zu starten. Mit dabei waren noch zwei andere deutsche Freiwillige, die sich mit uns auf eine sechsstündige Fahrt begeben haben.

Und wieder lasse ich lieber Bilder für sich sprechen:


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Nach einem kurzen Zwischenstopp in Fort Portal kamen wir Freitagnachmittag wieder heile in Kampala an und haben den restlichen Tag ausklingen lassen.

Samstag gings dann auf eine kleine Kampala-Erkundungstour, zum Ausgleich am Sonntag ins doch schon sehr ländlich gelegene Watubba, um ein wenig Zeit mit allen Kindern von KRV zu verbringen, da man in der Schule selten alle aufeinmal antrifft.


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Und dann stand schon wieder die nächste Reise an: Von Entebbe aus haben wir uns via Fähre auf den Weg für einen sehr entspannenden dreitägigen Aufenthalt auf den Ssese-Islands gemacht.

Nachdem dann am Donnerstag das von mir nicht sonderlich geschätzte ‘‘Garden City‘‘ auf der Besichtigungs-Liste abgehakt werden konnte, gings Freitag auf zum Friday-Market um unter anderem Geschenke für die Lieben zu Hause zu besorgen.
Das letzte Wochenende nutzten wir dann dazu zum einen einen Freund in Kireka zu besuchen, zum anderen meine frühere Gastfamilie in Kanyanya sowie auf dem Weg dorthin den Bahai-Temple.


Auf den letzten Drücker habe ich dann noch in einer nervenaufreibenden Nachtschicht ein paar Hosen für die kleine Schwester fertiggestellt und somit waren zwei Wochen – viel zu schnell – am Montagnachmittag auch schon wieder vorbei und mein Alltag hier konnte wie gehabt fortgesetzt werden. Dieser setzt sich momentan hauptsächlich aus Unterrichtvorbereiten, Hausaufgaben- und Examenskorrekturen zusammen, was sich jetzt hier wahrscheinlich schlimmer anhört als es tatsächlich ist… Nach den abschließenden Exams des ersten Terms in diesem Jahr, die in dieser Woche stattgefunden haben, werden nächste Woche nur noch P6 und P7 die Schulbank drücken müssen, der Rest hat Ferien. Man darf also gespannt sein, was es dann für mich zu tun gibt…


Besuche werden übrigens stets gern empfangen!!


Weihnachten bei 26°C

Wirkliche Weihnachtsstimmung wollte nicht aufkommen, was allerdings nicht weiter schlimm war. Weihnachten hier in Uganda ist bei Weitem nicht so konsumgesteuert wie bei uns. Gefeiert wird hier erst am 25. . Man geht in die Kirche und anschliessend wird gegessen – sehr viel gegessen. Nur die Kleinen bekommen unter Umständen eine Kleinigkeit geschenkt.

Den 24. habe ich im Projekt verbracht. Am vorherigen Wochenende haben Fanny, Patrick und ich bei mir zu Hause Plätzchen für unsere Kinder gebacken – ein riesiges Blech voll – das als ‘‘Schatz‘‘ für unsere ‘‘Christmas – Rallye‘‘ gedacht war. Nachdem wir dann alle Pfeile und Aufgabenzettel verteilt und die Schätze für die einzelnen Gruppen versteckt hatten, gings endlich los. Und erstaunlicherweise hat alles ohne irgendwelche Komplikationen funktioniert! Alle haben mitgemacht und das erste Mal konnten wir einen echten ‘‘Team – Spirit‘‘ erkennen. Allerdings waren unsere Plätzchen innerhalb von nochnichtmal zwei Minuten aufgefuttert, wir drei haben davon also nichts mehr abbekommen…


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Auf eine quasi deutsche Weihnachtsfeier mit deutschen Weihnachtsliedern, traditioneller abendlicher Bescherung, einem Plastik – Weihnachtsbaum und sehr sehr vielen deutschen Freiwilligen in meiner WG in Kanyanya hatte ich nicht wirklich Lust, weshalb ich den Abend dann bei Fanny und Patrick und ein paar Freunden in Namungoona verbracht habe, wo wir gekocht und noch ein wenig zusammen gesessen haben.

Am 25. gings dann nach Nansana zu Katja (meiner Chefin). Unsere Kinder waren schon alle da, haben sehr früh angefangen zu kochen und nach ein paar kleinen Spielen gab es dann erstmal Essen. Im Anschluss daran wurden die Geschenke verteilt. Um die jeweiligen Geschenke zu bekommen, mussten die Kinder vor versammelter Mannschaft tanzen, woran der Großteil ziemlichen Spaß hatte – glücklicherweise sind wir Freiwilligen davon verschont geblieben…

Jetzt im Nachhinein war Weihnachten hier in Uganda anders, ungewohnt und natürlich absolut nicht wie in Deutschland, aber trotzdem verdammt schön und in gewisser Weise einigermaßen entspannend. Vermisst habe ich – nichts… Trotzdem war die Freude über die zwei Weihnachtspakete, die leicht verspätet bei mir angekommen sind, riesig!! Nochmals ein gigantisches DANKESCHÖN dafür!!

Über Weihnachten/Silvester hatte ich zwei Freiwillige aus Tansania zu Besuch, die ich vom Vorbereitungsseminar kenne. Am 28. machten wir uns dann auf den Weg nach Jinja um dort eine andere Freiwillige zu besuchen, die dort praktisch direkt am Victoriasee wohnt! Am nächsten Tag sind wir von da aus dann zu den ‘‘Hairy Lemon Isands‘‘ gefahren – mal wieder. Irgendwie erinnert dieser Ort an eine Art Hippie – Kommune. Wiegesagt, im Grunde genommen kann man dort nur rumliegen, lesen, schlafen und essen, es war also wieder sehr sehr entspannend. Und natürlich Kajakfahren und Schwimmen, was ich in diesem Bilharziose – Wasser allerdings für nicht wirklich empfehlenswert halte.

Silvester – für mich irgendwie kein sonderlich freudiges Ereignis, da mir plötzlich bewusst wurde, dass ich nun davon sprechen muss ‘‘dieses‘‘ Jahr zurück nach Deutschland gehen zu müssen, und nicht mehr erst ‘‘nächstes‘‘ Jahr… Nun bleiben mir noch ziemlich genau acht Monate.

Zudem war die Stadt in dieser Nacht vollkommen überfüllt, nicht sonderlich verwundernswert, trotzdem war ich froh irgendwann wieder zu Hause gewesen zu sein.

Um nun zu einem Abschluss zu kommen: Ich hoffe ihr alle hattet ein schönes Weihnachtsfest sowie einen guten Rutsch ins Jahr 2012, wofür ich euch hiermit nocheinmal das Beste wünsche!!


Uganda – Ruanda – Uganda

Und plötzlich sind es schon knapp drei Monate, die ich in Kampala verbringe und auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole: Die Zeit hier vergeht verdammt schnell!

Mir ist aufgefallen, dass ich meinen Blog zuletzt ziemlich vernachlässigt habe, was vorallem daran liegt, dass das Leben hier und alles, was dazu gehört, mittlerweile schon vollkommen normal und alltäglich geworden ist, was allerdings nicht heißt, dass es auch nur im geringsten langweilig wird!

Der Nachhilfeunterricht im Projekt verlief bis jetzt im Großen und Ganzen relativ gut, je nach Davids Lust und Laune können die zwei Stunden Lesen und Mathe (leicht übertrieben) in einen einzigen Kampf ausarten… Seit dieser Woche sind hier in Uganda Schulferien, was bedeutet, dass bis Ende Januar Kinderbespaßung bzw. -beschäftigung angesagt ist, für Ideen und Anregungen bin ich natürlich offen… Fanny, Patrick und ich werden wohl versuchen innerhalb dieser zwei Monate unseren Kindern, die größtenteils die P3 besuchen, das kleine Einmaleins mittels einer ‘‘Multiplication licence‘‘ beizubringen, bisher haben ja die einfachsten Aufgaben riesige Schwierigkeiten bereitet und schlussendlich wurden die Lösungen doch meistens auf der Rückseite des Schulheftes abgeschaut.

Inzwischen bin ich schon ziemlich lange hier und habe so viel Zeit mit den Kindern verbracht, dass ich sie schon nach nur ein paar Tagen anfange zu vermissen – trotz aller immer mal wieder auftretenden Schwierigkeiten. Und somit bin ich doch schon ziemlich glücklich nach einer neuntägigen Uganda-Ruanda-Rundreise endlich wieder zurück im good old Kampala zu sein – irgendwie war es ein Gefühl des Nachhausekommens…

Am 17. November haben wir uns zu sechst mit dem Postbus auf den Weg von Kampala nach Fort Portal gemacht, wo wir eine Nacht verbracht haben um die Crater Lakes zu besichtigen, die allerdings nicht allzu eindrucksvoll waren, trotzdem tat es gut endlich mal wieder durchatmen zu können ohne Unmengen Staub, Dreck und Abgase einzuatmen…

Von Fort Portal gings anschließend nach Kasese um von dort aus mit dem Matatu eine ziemlich halsbrecherische Fahrt nach Kabale hinzulegen, wo wir alle nach ca. fünf Stunden um gefühlte zehn Jahre gealtert tatsächlich noch lebend ankamen…

Einigermaßen erholt von diesem Transport sind wir dann am nächsten Tag zum Lake Bunyonyi gefahren, der auf ca. 1950 m Höhe liegt und dementsprechend kühl sind die Temperaturen dort. Wenn man die Bilder so betrachtet glaubt man eigentlich kaum, dass sie wirklich irgendwo in Afrika entstanden sind… Der See ist ziemlich verwinkelt und besteht aus vielen mehr oder weniger kleinen Inseln, unter anderem wurde uns von einer Insel berichtet, auf der noch vor nicht allzu langer Zeit unverheiratete schwangere junge Frauen zur Bestrafung ausgesetzt und quasi dem Hungertod überlassen worden sind.


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Sonntagnacht gegen 4Uhr fuhr dann unser Bus nach Gisenyi (Ruanda), dessen Fahrer scheinbar nicht weniger abenteuerlich gestimmt war. Nach ca. zwei Stunden am Grenzübergang Cyanika in – man glaubt es kaum – Eiseskälte kamen wir gegen 10 Uhr endlich in Gisenyi an, was direkt am Lac Kivu und gegenüber von Goma (DR Kongo) liegt.

Schon in Gisenyi ist uns allen der enorme europäische Einfluss aufgefallen: alles ist recht organisiert, sauber, selbst Plastiktüten sind verboten und müssen bei der Taschenkontrolle an der Grenze entsorgt werden, beim Bodafahren herrscht Helmpflicht und zudem darf nur eine Person auf dem Motorradtaxi transportiert werden – also nichts mit drei Personen plus Fahrer auf einem Boda, so wie wir es hier in Kampala des Öfteren machen…

Alles in allem scheint die Spaltung zwischen Arm und Reich in Ruanda viel größer zu sein als in Uganda. Auf dem Weg zum Grenzübergang zu DR Kongo, von wo aus man einen ziemlich guten Blick auf den Nyiragongo Vulkan hat, durchquerten wir ein doch schon ziemlich wohlhabendes Viertel mit Villen, die ich so selbst in Europa noch nicht gesehen habe. Im Gegensatz dazu stehen die zahlreichen Straßenkinder, von denen wir mehrere Male fast beklaut worden sind, was nicht gerade dazu beigetragen hat, sich besonders wohl und sicher zu fühlen.

Nach zwei Nächten in Gisenyi haben wir uns dann auf den Weg nach Musanze gemacht und sind von dort aus zum Lac Bulera gefahren, der am ‘Parc National des Volcans‘ liegt, wo auch Gorilla-Tracking-Touren möglich sind.

Unsere eigentlich nur durch Zufall und die Hilfe von ein paar netten Bodafahrern gefundene Unterkunft, in der wir die einzigen Gäste waren, lag auf einer ziemlich einsamen Halbinsel, auf der die Kinder ihrer zuerst ängstlichen Reaktion zufolge teilweise scheinbar noch nie ‘Muzungus‘ gesehen haben. Trotzdem wurden uns wieder Sätze wie ‘Give me sweets.‘, ‘Give me your camera.‘ oder ‘Give me money.‘ zugerufen…


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Mittwoch gings dann endlich nach Kigali – eine Stadt, die sich genauso gut irgendwo in Europa befinden könnte. Einen Besuch ist Kigali definitiv wert, allerdings machten wir uns Donnerstagabend nach einem ausführlichen, wenig spannenden Stadtrundgang und der Besichtigung der Genozid-Gedenkstelle Ntarama wieder auf den Heimweg.


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Unser Nachtbus sollte eigentlich 18.30 Uhr abfahren, tatsächlich ging es dann erst nach zwei Stunden Warten im Regen los und als ob das noch nicht genug gewesen wäre, machten dann auch noch die Frontscheinwerfer auf voller Fahrt mitten in der Nacht auf unbeleuchteter Straße schlapp, sodass wir nach weiteren ca. zwei Stunden Reparaturzeit in Kabale gegen 9 Uhr mit glücklicherweise problemlos verlängertem Visum vom Grenzübergang Gatuna – immernoch durchnässt vom Regen des Vorabends – tatsächlich in Kampala ankamen.

Alles in allem haben wir auf unserer kleinen Reise rund 1500 km zurück gelegt und dementsprechend müde und erschöpft musste erstmal einiges an Schlaf nachgeholt werden…


Angekommen?

Der erste Monat hier in Kampala ist unglaublich schnell vorbei gegangen. Trotz der Tatsache, dass immernoch ein gewisses – jedoch stetig nachlassendes – Urlaubsgefühl besteht, hat sich schon ein bestimmter Alltag eingespielt…

In der New Bubajjwe Primary School unterrichten wir mittlerweile jeden Mittwoch- und Freitagvormittag, was mal besser, mal schlechter klappt – abhängig davon, ob die Lehrerin uns mit der gesamten 70-köpfigen Klasse allein lässt oder durch ihre bloße Anwesenheit für Ruhe sorgt. Leider können wir die Kinder vormittags aufgrund des Klassenraummangels nicht in kleinere Gruppen unterteilen. Ich hoffe sehr, dass uns diese Möglichkeit bald wieder eröffnet wird, da das Unterrichten in Kleingruppen definitiv zu effektiveren Lernerfolgen führen würde…

Dahingegen ist die Arbeit bei KRV unverändert, langweilig wird es kaum! Letzten Samstag sind wir mit David und Eddy zum Post Office gefahren, damit sie dort Briefe an ehemalige Freiwillige selbst abschicken konnten, was sie unglaublich gefreut und ziemlich stolz gemacht hat. Der Aufenthalt in der Stadt hat sich dann ungeplanterweise verlängert, da es mal wieder plötzlich wie aus Eimern zu regnen begonnen hat, die meisten Straßen überschwemmt waren und somit kein Matatu zurück nach Kawempe gefahren ist – und so saßen wir noch ca. zwei Stunden im Post Office bis sich das Wetter irgendwann tatsächlich wieder etwas beruhigt hatte…

Die erste Safari habe ich mittlerweile auch schon hinter mir: vom 23. bis 25.09. ging es mit insgesamt neun Freiwilligen in den ‘Murchison Falls‘ National Park, der sich an der Grenze zur DR Kongo befindet. Es tat schon extrem gut mal aus Kampala raus zu kommen und endlich wieder durchatmen zu können! So viel möchte ich zu dieser Safari hier auch gar nicht schreiben, Bilder sagen ja meist mehr als Worte:



Zum Tag der deutschen Einheit lud die Deutsche Botschaft Kampala zu einer kleinen Feier ein. Dank der Anmerkung in der Einladung für Freibier und Snacks würde gesorgt werden, waren natürlich so gut wie alle Freiwilligen aus Kampala anwesend. Die Snacks bestanden übrigens aus Frikadellen und Würstchen, also genau das richtige für mich… Natürlich war klar, dass auf dieser Veranstaltung sehr viele Deutsche sein würden, ich hätte aber nicht gedacht, dass mich so viele Deutsche komprimiert auf einen so kleinen Raum so unglaublich stören könnten… Zum Glück sind wir nicht lange geblieben, nach ca. zwei Stunden war die ganze Geschichte für meine WG und mich beendet.

Allerdings muss ich auch sagen, dass bis jetzt größere Überraschungen – weder im positiven noch im negativen Sinne – beziehungsweise die große Euphorie ausgeblieben sind. Im Grunde genommen ist alles wie erwartet, oder besser gesagt wie nicht erwartet, da ich versucht habe möglichst ohne größere Erwartungen hierher zu kommen. Die Kühe und Ziegen auf den Straßen, der rote Schlamm nach den fast täglichen abrupt einsetzenden Regengüssen, die unfassbar verschmutzten Straßen, die laute Musik, das local food, das es an jeder Ecke zu kaufen gibt, das Wäsche von Hand waschen, die mit Waren und Menschen überfüllten Märkte, das Hinterherrufen von ‘Muzungu‘ der Kinder, was allerdings auch schon mal ziemlich nervig werden kann, sobald die Kinder ein gewisses Alter überschritten haben, sowie natürlich die Armut gehören inzwischen irgendwie dazu. Letzteres wird immer dann besonders bewusst, wenn man beispielsweise vom ‘Garden City‘ (einem ziemlich westlichen Einkaufscenter) durch die Armutsviertel zurück nach Hause fährt – ein recht großer Kontrast…


Die ersten zwei Wochen …

Mittlerweile bin ich nun schon seit zwei Wochen in Kampala und bisher gab es noch keinen Tag, an dem auch nur ein Hauch Langeweile aufgekommen ist…

Wahrscheinlich ist es eher uninteressant vom Flug zu berichten, daher nur ganz kurz und knapp: hat alles geklappt, keine Probleme mit dem Visum, alle Freiwilligen (10 an der Zahl) sind nach der Landung von unserem Koordinator vom Flughafen in Entebbe abgeholt und im Matatu nach Kampala verfrachtet worden. Man bedenke, dass so ein Matatu für ca. 14 Leute gedacht ist, was auch kein Problem gewesen wäre, hätten wir nicht alle rund 40 kg Gepäck dabei gehabt… Auf wundersame Art und Weise fanden letztendlich aber sämtliche Passagiere plus Gepäck ihren Platz und wurden heile, trotz des strömenden Regens, der pünktlich zu unserer Abfahrt begann und die Straßen in eine einzige rutschige Schlammpiste verwandelte, zu unseren jeweiligen Unterkünften gebracht.

Die ersten Tage verbrachte ich mit zwei weiteren Freiwilligen bei einer Gastfamilie in Kawempe, wie sich später herausstellte, befindet sich direkt nebenan mein Projekt für das nächste Jahr. Die Gastfamilie und die weiteren Freiwilligen, die schon dort lebten, haben uns herzlich aufgenommen und uns am folgenden Tag eine kleine Kampala-Rundführung geboten. Abends saßen wir öfters bei Kerzenschein zusammen, da momentan hier in Kampala ziemlich häufig der Strom ausfällt. Allerdings war duschen dort eine Erfahrung für sich: Schüssel in Badewanne stellen, Schüssel volllaufen lassen, was einiges an Zeit kostet, erste Kelle Wasser, zweite Kelle Wasser, fertig – aber geht alles!

Am Dienstag nach meiner Ankunft konnte ich dann endlich in meine ursprünglich vorgesehene Gastfamilie in Kanyanya ziehen, die sich aus Anita, Fred, Nalongo und J.P. und Jordan (drei und vier Jahre alt) zusammensetzt. Zurzeit sind wir hier insgesamt sechs Freiwillige, vier Langzeit- und zwei Kurzzeitfreiwillige, die teilweise in einem separaten Haus auf dem Grundstück wohnen, das übrigens auch ummauert ist – um meine Sicherheit braucht man sich hier also keine Sorgen machen… Ich habe hier ein eigenes relativ großes Zimmer, W-Lan – sofern wir Strom haben – und das Essen würde ich auch als ziemlich gut und relativ abwechslungsreich im Vergleich mit dem, was beispielsweise die Kinder aus meinem Projekt täglich bekommen (Posho (Maisbrei) mit Bohnen), bezeichnen: meistens gibt es Matoke (Kochbananenbrei), Chapati (eine Art Pfannkuchen), Nudeln, Reis, Kartoffeln, Erdnusssoße, Hühnchen und Bananen und Ananas. Meistens auch alles zusammen. Mir geht es also verdammt gut hier, abends sitzen wir oft auf dem Dach und haben einen unglaublich schönen Ausblick auf Kampala und mit den Mädels wird es höchstwahrscheinlich auch nicht langweilig werden!

Nun aber mal zu meinem Projekt: Dienstag bis Freitag bin ich von 11 Uhr bis 17.30 Uhr, Samstag von 14 Uhr bis 17.30 Uhr bei KRV. Ich kann also im Grunde genommen täglich ausschlafen… Die Hinfahrt dorthin ist jeden Tag ein Spaß aufs Neue, da ich mit dem Boda-Boda (Motorradtaxi) fahre und dementsprechend ständig Preise verhandeln muss, aber das ist hier sowieso grundsätzlich üblich…

Momentan sind 17 Kinder im Projekt, einige wohnen dort, die restlichen Kinder gehen abends wieder zurück in ihre Familien. Vormittags werden einzelne Kinder vom Projekt aus dem Unterricht geholt und bekommen von uns zwei Freiwilligen, die momentan bei KRV sind, Nachhilfe in Lesen oder Rechnen. Die Kleinsten kommen gegen 13 Uhr aus der Primary School nebenan und wollen dann natürlich beschäftigt werden, was bedeutet: Puzzlen, Malen, Karten spielen etc. Gegen 16.30 Uhr haben dann auch die älteren Kinder Schulschluss, woraufhin erstmal Hausaufgaben gemacht werden müssen. Es gibt also eigentlich immer etwas zu tun. Ich habe mich unglaublich schnell an die Kinder gewöhnt und sie lieb gewonnen, da sie trotz ihrer individuellen Geschichten unfassbar vertrauensvoll, herzlich und glücklich sind! Ziemlich lustig fand ich auch, wie plötzlich lautstark deutsche Kindermusik ertönte, die die Kinder aus meinem Projekt lieben!

Mit Fanny, der anderen Freiwilligen bei KRV, habe ich mir in den letzten Tagen den Unterricht in der P3 der ‘New Bubajjwe Primary School‘ nebenan, die auch unsere Kinder besuchen, angeschaut. Es ist schon ziemlich gewöhnungsbedürftig, in einem winzigen Klassenraum mit 60-70 Kindern zu sitzen, die zwischen acht und 13 Jahre alt sind und alle die dritte Klasse besuchen. Der Unterricht besteht hauptsächlich darin, im Sprechchor die Vorgaben der Lehrerin nachzusprechen und anschließend immer den selben Aufgabentyp (beispielsweise in Englisch bestimmte Buchstaben – natürlich ständig den selben – in Wortlücken füllen) oder irgendwelche Regeln von der Tafel abzuschreiben, wobei die Kleinsten, die noch nicht schreiben können, wohl eher abmalen, was unglaublich viel Zeit kostet. Die wenigsten verstehen, was sie da machen und eigentlich interessiert das auch niemanden. Die Aufgaben werden zwar kontrolliert, allerdings werden Fehler nicht berichtigt und nichts erklärt. Fanny, ich und eine weitere Freiwillige, die nur in der New Bubajjwe Primary School arbeitet, wollen daher in den nächsten Monaten zwei Mal pro Woche die Klasse in drei kleinere Gruppen teilen und vorerst mittels Textaufgaben das Leseverständnis und Kreativität fördern und versuchen individuell auf die Kinder einzugehen. Der erste Versuch ist ziemlich in die Hose gegangen, da die Lehrerin uns mit der Klasse allein gelassen hat und dementsprechend stieg dann auch die Lautstärke… Der zweite Versuch lief deutlich besser, jeder hatte einen eigenen Klassenraum mit ca. 20 Kindern, die Lehrerin hat ab und zu mal vorbeigeschaut, sodass es ziemlich ruhig geblieben ist, die Kinder waren sehr motiviert und hatten soweit ich das beurteilen kann Spaß! Sehr gewöhnungsbedürftig – das wird sich auch höchstwahrscheinlich nicht ändern – ist für mich die Tatsache, dass die Kinder vor den Lehrern und somit auch vor mir niederknien müssen, wenn sie beispielsweise auf Toilette müssen. Natürlich werden sie hier auch geschlagen, glücklicherweise musste ich das noch nicht miterleben. Die nächsten Wochen werden zeigen, wie sich unser kleines Unterrichts-Projekt weitentwickeln wird.

Ansonsten ist hier in Kampala immer irgendetwas los. Den ‘Friday Market‘, wo unglaublich faszinierende Handarbeit von Schmuck über Taschen und Kleidung angeboten wird, werde ich wohl noch häufiger in diesem Jahr besuchen… Gestern beispielsweise waren wir beim ‘Bayimba International Festival of the Arts‘ im National Theatre und heute Nachmittag werde ich dann meine erste Luganda-Stunde haben…

Und wenn einem der Trubel auf Kampalas Straßen mal zu viel wird, setzt man sich einfach für umgerechnet nochnichtmal zwei Euro ins Matatu und fährt entweder nach Jinja zu den Bujagali Falls am Nil (richtig schöne Landschaft) oder nach Mukono, wo Fanny, Fredie, eine weitere Freiwillige, und ich letzten Sonntag eine befreundete Familie von Fanny besucht haben. Trotz der Tatsache, dass sie vorher noch keinen von uns kennengelernt haben, sind wir unbeschreiblich herzlich und praktisch sofort in die Familie aufgenommen worden.

Momentan regnet es fast täglich hier in Kampala, teilweise mit riesigen Hagelkörnern, sodass ich sogar auch schonmal eine geschlagene Stunde gebraucht habe um vom Projekt nach Hause zu kommen – eine Strecke, für die ich normalerweise 10 Minuten mit dem Boda-Boda benötige – weil sämtliche Straßen vollkommen überschwemmt waren. Und ein paar Minuten später scheint dann wieder die Sonne. Selbstverständlich habe ich mir auch schon einen ordentlichen Sonnenbrand zugezogen – trotz Sonnencreme mit LSF 50…

Vorerst sollte das ein ausreichender Einblick in meinen Alltag – wenn man ihn jetzt schon als diesen bezeichnen kann – hier in Kampala sein!

Bis bald!


… und der Abschied naht …

Nun ist es endlich soweit!

In zwei Tagen werde ich mich für ein Jahr nach Kampala begeben! Nach einem nervenaufreibenden Impfmarathon, einem doch ziemlich kurzfristigen 12-tägigen Vorbereitungsseminar und einer ganzen Menge Bürokratie werde ich am Freitag, den 02.09. in Düsseldorf um ziemlich genau 21.20 Uhr ins Flugzeug Richtung Entebbe steigen und dort hoffentlich nach knapp 14 Stunden reiner Flugzeit heil und ohne Gepäckverlust ankommen…

So ganz realisiert habe ich immer noch nicht, dass ich tatsächlich ein ganzes Jahr in Uganda verbringen werde – möglicherweise ist das aber auch besser so…

Jetzt gilt es die letzten Stunden hier in Deutschland einigermaßen sinnvoll zu nutzen, letzte Vorbereitungen zu treffen, noch relativ spontan ein Geschenk für die Gastfamilie zu besorgen, ruhig zu bleiben und den ganzen eigens angesammelten Unrat der letzten Jahre nach essentiell und vollkommen überflüssig für das kommende Jahr zu sortieren, was sich wahrscheinlich als eine der schwersten Aufgaben darstellen wird…

Sobald es mir in Uganda möglich sein wird, werde ich über den Flug sowie die ersten Eindrücke berichten!

Bis dann!